Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
 


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Geschichte, Erfahrung, Theorie: Diasporisches Denken in Konzepten und Positionsbestimmungen Schwarzer deutscher Feministinnen

Nicola Lauré al-Samarai





Schwarze deutsche Feministinnen begründeten mit ihren kritischen theoretischen Positionsbestimmungen vor nunmehr zwanzig Jahren ein neues diskursives Feld, innerhalb dessen die bis dato in Deutschland tatsächlich nicht denkbare analytische Auseinandersetzung mit den gravierenden Wirkmechanismen historisch gewordener, bis in die Gegenwart wirkender rassifizierender gesellschaftlicher Strukturen und Dynamiken ihren Anfang nehmen konnte. Der vor diesem Hintergrund eingeleitete grundlegende Perspektiv- und Paradigmenwechsel stellte erstmals die gelebte Erfahrung Schwarzer deutscher Frauen und Männer ins Zentrum der Betrachtung. Diese zu theoretisieren bedeutet damals wie heute, sie aus der Vereinzelung zu lösen und in weiterführende soziale, geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge zu stellen. Das Erleben und Überleben einer Gleichzeitigkeit unterdrückerischer Strukturen wie Rassismus, Sexismus und Hetero/Sexismus stellt insbesondere für Feministinnen hinsichtlich der Entwicklung eigenständiger, die spezifische Ausgangssituation und Diversität Schwarzer deutscher Anwesenheit im Blick behaltender Ansätze eine erkenntnistheoretische wie methodische Herausforderung dar.

Sie erfordert es, Schwarze gesellschaftstheoretische Konzepte auf die Ex- oder Inklusion weiblicher Erfahrungs- und Lebensbezüge zu überprüfen und sich zugleich kritisch von einem herrschenden weißen Feminismus abzugrenzen, der rassistische Strukturen und Verhaltensweisen zugunsten einer vermeintlich universellen Schwesterlichkeit ausblendet.

Da die Tatsache, dass Schwarzes Frauenwissen unbedeutend oder unkenntlich gemacht, bestenfalls als Randbemerkung oder Fußnote auftaucht und beständig einverleibt wird, nicht auf Deutschland beschränkt ist, orientieren sich Schwarze deutsche Theoretikerinnen an den Beiträgen und Erfahrungen der Schwarzen Frauenbewegungen in den Amerikas, in Europa und Afrika. Der Anspruch einer, wie Marion Kraft es formuliert, „Schaffung von Überlebensräumen“ wurde mithin von Anfang an geleitet von der Suche nach diasporischen Bezugspunkten und Schwarzen weiblichen Vorbildern, weshalb der Theoretisierung von alltagsweltlichen Bezügen und Beziehungen und von in der praktischen politischen grassroot-Arbeit und in den Empowermentbemühungen gesammelten, vielfältigen Erfahrungen eine besondere Bedeutung zukommt. Sie markiert ein neues diasporisches Denken, das nicht nur von flexiblen translokalen wie transnationalen Positionsbestimmungen und Interventionen charakterisiert ist, sondern in zielgerichteten Strategien gründet, um tragfähige, global vernetzte, bündnispolitische Widerstandsräume zu schaffen und zu erhalten.

Folgende konkretisierende Fragen sind daher in diesem Zusammenhang von weiterführendem Interesse:

  1. Welche historischen Ausgangspunkte markieren den Auf/Bruch in eine Schwarze deutsche feministische Theoriebildung?

  2. Welche Definitionen von Schwarz-Sein bzw. Schwarzer Identität bilden die Grundlage für Schwarze deutsche feministische Überlegungen?

  3. Welche konzeptionellen und inhaltlichen Akzente und „Leitmotive“, Kontinuitäten und Brüche kristallisieren sich in den letzten zwanzig Jahren heraus?

  4. Gibt es eine Schwarze deutsche männliche Meistererzählung, die, ähnlich wie in den USA oder der Karibik, von Schwarzen Feministinnen verhandelt werden musste oder ist diese in den letzten Jahren erst hinzugetreten?

  5. Welche aktuellen Paradigmenwechsel / Verschiebungen lassen sich angesichts neuer Diskussionen über postkoloniale Theorien oder Whiteness-Diskurse einkreisen?

  6. Mit welchen argumentativen Leitlinien wird eine hybride Schwarze deutsche identity-in-difference theoretisch verhandelt und innerhalb Schwarzer europäischer und transatlantischer Kontexte und Re/Präsentationsfelder neu verortet?



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