Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
 


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Auf dem Weg zur Befreiung. Empowerment-prozesse Schwarzer Frauen afrikanischer Herkunft in Wien

Ishraga Mustafa Hamid





Ich beziehe mich in der Arbeit hauptsächlich auf die Methoden Schwarzer Wissenschafterinnen, da sie stark auf die verfochtenen Unterdrückungsmechanismen hinweisen. Schwarzen Frauen haben einen Empowerment-Ansatz entwickelt, in dem die Zusammenhänge zwischen Rasse, Klasse, Gender, ethnische Herkunft und sexueller Orientierung Verbindung betrachtet werden sollten.

Diese Forschung geht davon aus, dass Schwarze Frauen afrikanischer Herkunft mit Rassismus und Sexismus konfrontiert sind, die meist zu Entfremdung, Isolation, Unsichtbarkeit und Ausgrenzung führen. Andererseits können diese Erlebnisse zur Entwicklung von Instrumenten für Widerstand, Befreiung und soziale Mobilität führen. Die vorliegende Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, Spannungsverhältnisse von Rassismus/ Sexismus und Empowerment zu untersuchen.

Dabei soll vor dem theoretischen Hintergrund des Begriffs bzw. Konzepts Empowerment der dynamische Empowerment-Prozess von Schwarzen Frauen in Wien erfasst und bewertet werden. Aus Diskriminierungserfahrungen entwickeln Schwarze Frauen afrikanischer Herkunft Methoden und Techniken zur Emanzipation, zur Erweiterung ihrer Kompetenzen bzw. zum Wecken ihrer Fähigkeiten und zur Bewusstseinsbildung. Diese Techniken ermöglichen ihnen, sich selbst zu artikulieren, zu organisieren und sichtbar zu machen.

Das Hauptziel dieser Forschung ist es, Strategien für eine Veränderung zu entwickeln, um sich gegen Rassismus und Sexismus zu wehren.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, einen Beitrag für die wissenschaftlichen Grundlagen von Self-Empowerment Schwarzer Frauen in Wien zu leisten. Durch Self-Empowerment können die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen positiv mit verändert werden. In diesem Zusammenhang ist Selbstorganisierung ein wichtiges Element vom Empowerment. Dabei kann Selbstdefinition, Selbstartikulation, sowie soziale und politische Vernetzung die Grundlage von kollektiver Identität sein.

In der vorliegenden Forschung werden also Spannungsverhältnisse zwischen Entmächtigung und Ermächtigung, Entmutigung und Ermutigung, zwischen Unterwerfung und Befreiung untersucht, wobei die gesellschaftliche, von Politik geprägte Situationen Schwarzer Frauen afrikanischer Herkunft im Mittelpunkt steht.

Identitätspolitisierung, die durch Benachteiligung geformt wird, konstituiert ihre kollektive Identität - nicht um für ihre Rechte zu kämpfen, sondern um sich in der Gesellschaft selbst zu behaupten und wahrzunehmen. Durch den Bewusstwerdungsprozess ihrer Benachteiligungen haben sie Wissen angesammelt, wodurch sie den größten Zusammenhalt aufweisen und sich selbst idenfiziert. Sie haben ihren eigenen Raum geschaffen, der von einigen Befragten als „Diaspora“ bezeichnet wird.

Selbst-Konzeptualisierung passiert, indem das Selbst nicht als Autonomie definiert wird, sondern im Gegenteil im Kontext der Community zu verstehen ist, wodurch sie versuchen weniger als Objekte behandelt zu werden. Dieses Bewusstsein hat Potential; sich selbst zu definieren hat eine politische Bedeutung, weil sie sich eine eigene politische Identität formen gegenüber jener, welche ihnen die Gesellschaft aufzwing. „Unterjochtes“ Wissen wie z.B. das Wissen aus einem euro-zentristischen Blickwinkel, das ihnen in der Schule ein verzerrtes Afrikabild vermittelte, wodurch ihnen ein verzerrtes Selbstbild gemacht wird.

Wissen war und ist ein wichtiges Element für ihre Ermächtigung. Vor allem das Wissen über afrikanische Kulturen, wie z.B. Schönheit aus einem afro-zentristischen Blickwinkel, hat ihre weibliche Identität gestärkt. Schwarze Frauen haben verschiednen Empowerment- Strategien entwickelt, wobei hier betont werden soll, dass Schweigen dazu gehört und deswegen nicht als Unterwerfung interpretiert werden darf. Das Bewusstsein, in dem sie mit der Sprache und mit den Verhaltenweisen der UnterdrückerInnen vertraut werden, um ihren Schutz aufrecht zu erhalten.

Anschließend möchte ich anhand der Ergebnisse der Analyse betonen, dass Empowerment-Prozesse Schwarzer Frauen komplexe und dynamische Prozesse umfassen, wobei die individuellen und kollektiven Fähigkeiten erweitert werden können. Es werden politische Handlungsspielräume geschaffen, wodurch Frauen Strategien für kollektives Agieren entwickeln köِnnen. Wenn Frauen sich befähigen, sich selbst organisieren um ihre Emanzipation und eine soziale und politische Partizipation zu erreichen, dann sind sie ermächtigt, weitere Anliegen durchzusetzen, und dafür beginnt ein neuer Prozess.

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