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Prinz Samson Dido von Didotown aus Kamerun im imperialen Deutschland: Botschafter in kolonialfreundlichen Milieus und Wilder im Zoo

Albert Gouaffo





Teilnehmer von Völkerschauen, die aus deutschen Kolonialerwerbungen nach Deutschland kamen, waren nicht nur als ‚Unterhaltungswaren’ für die Öffentlichkeit und ‚Versuchkaninchen’ für die Wissenschaft angesehen, sondern sie stellten zugleich die Ausdehnung des Empires und die daraus wirtschaftlich zu verwertenden Ressourcen zum Wohl des Reiches dar. Für die privaten Völkerschauunternehmer lag der Marktwert dieser ‚seltsamen’ Gäste in dem Grad an Primitivität bzw. Andersartigkeit, der sie kennzeichnete. Für die Kolonialfreunde aber stand ihr kultureller Vermittlungscharakter als Multiplikator des deutschfreundlichen Images in den jeweiligen Kolonien im Vordergrund.
Die 1886 auf Veranlassung des Zoo-Unternehmers Carl Hagenbeck aus Kamerun geholte Truppe unter der Leitung des Prinzen Samson Dido aus Didotown (Dualla) kam unter diesen Umständen zustande. Prinz Samson Dido, begleitet von zwei seiner sechs Frauen, mit einem Sohn und vier Gefolgsleute, gastierte in Hamburg, Berlin, Leipzig und Dresden. In Berlin (Charlottenburg) wurde er im Vergnügungsetablissement „Flora“ zwei Wochen lang zur Schau gestellt. Der Arzt und Politiker Rudolf Virschow nahm die Gelegenheit wahr und vermaß ihn.

In den kolonialfreundlichen Kreisen hingegen wurde Prinz Dido als Ehrengast mit Geschenken Verwöhnt und seinem Anstand gemäß als Botschafter bzw. Vertreter der deutschen Herrschaft in Kamerun behandelt. In Berlin wurde er vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren deutschen Kaiser im Muschelsaal seines Palastes empfangen, und besuchte in Leipzig auch verschiedene Firmen. Im Mittelpunkt des Beitrags steht die ambivalente Wahrnehmung des Kameruner Prinzen, welche die Berührung der Deutschen mit einer radikalen Fremdheit hervorruft. Im Lichte einer semiologischen Bildanalyse wird im Beitrag die Inszenierung des Körpers im Medium der Völkerschauen als Theatralität dekonstruiert. Der Wilde wurde erfunden, bevor er ‚entdeckt’ wurde.

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