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Juan Latino, afrikanischer Professor im Granada des 16. Jahrhundert

Antonio Uribe





Mit dem Aufkommen des portugiesischen Sklavenhandels, wird im Verlauf des 16. Jahrhunderts die Präsenz von Afrikanern in den andalusischen Städten alltäglich. Dies schlägt sich unter anderem in der Literatur nieder. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erscheinen verschiedene Dramen mit afrikanischen Hauptdarstellern: El negro del mejor amo (1599-1603), El Santo negro Rosambuco de la ciu­dad de Palermo (1612) und El Prodigio de Etiopía (1645) von Lope de Vega, El valiente negro en Flandes (1638) von An­drés de Claramonte und Juan Latino (1652) von Diego Jiménez de Enciso. Das Leben des Juan Latino, oder Juan de Sesa wie er tatsächlich hiess, bietet reichlich literarischen Stoff.

Es gibt noch keine sorgfältig recherchierte Biographie von Juan Latino. Belegt ist, dass er als Sklave am Anfang des 16. Jahrhunderts von Afrika nach Spanien kam, dass seine Herren ihm das Studium ermöglichten und dass er schlussendlich als Professor für Latein an der Universität von Granada lehrte und verschiedene Werke publizierte, wie das Don Juan de Austria gewidmete epische Gedicht Austriadis carmen (1573), Ad Catholicum, pariter et invictissimum Philippum (1573 und 1576, allgemein als Epígramas bekannt) oder De translatione corporum regalium (1576). Durch diese Stellung war es ihm unter anderem möglich, die adlige Doña Ana de Carvajal zu heiraten, mit der er vier Töchter hatte.

Als afrikanischer Latein Professor war er zu seiner Zeit eine grosse Ausnahme. So ist es klar, dass sein Leben sehr geeignet erscheint, um je nach Zweck interpretiert zu werden. So stellt sich die Frage wie sein Leben und Schaffen aus den verschiedenen Blickwinkel gedeutet wurden: die spanischen Schriftsteller (Diego Jiménez de Enciso im 17. Jh. und José Vicente Pascual González im 20. Jh.), die Literaturwissenschaftler (Baltasar Fra Molinero), Lokalhistoriker aus Granada (González Garbín), Forscher der Sklaverei in der frühen Neuzeit (Aurelia Martín Casares), afroamerikanische Historiker (Beatrice J. Fleming und Marion J. Pryde), zeitgenössische spanische, bzw. äquatorialguineische Afrikanisten (Donato Ndongo-Bidyogo).

Darüber hinaus stellt sich bei Juan Latino die Frage nach seiner Selbstrepräsentation als schwarzer Spanier der einen sozialen Aufstieg erreicht hat. Dazu ist eine Lektüre zwischen den Zeilen seiner auf den ersten Blick sehr zeitgemässen Werke sehr aufschlussreich.

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