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Igbofrauen in Migration

Stefanie O. Ogbonna





In meinem Forschungsprojekt, das ich in Zusammenhang mit dem Margarete-Schütte-Lihotzky - Projektstipendium bearbeite, beschäftige ich mich mit nach Österreich / Wien migrierten Igbofrauen.

Mein Forschungsinteresse begründet sich durch meinen familiären Hintergrund. Ich bin in Österreich geboren, meine Eltern sind Igbo und in den 60er Jahren nach Europa migriert. Die Igbo sind ein Volk im Südosten Nigerias mit rund 24,12 Millionen EinwohnerInnen. Das Gebiet der Igbo gehört zu den am dichtest besiedelten Gebieten in ganz Afrika, im Landesinneren des Igbogebietes ist die Bevölkerungsdichte ca. 300-1000 EinwohnerInnen je km². Inhaltlich habe ich mich bereits in meiner Diplomarbeit mit Geschichte, Kultur und Architektur der Igbo und einem Vergleich soziokulturellen Raumverständnisses in Nigeria und Österreich befasst, sowie eine Forschungsreise nach Nigeria unternommen.

In meiner Studie analysiere ich sowohl die räumlichen / architektonischen Prägungen und Beeinflussungen migrierter Igbofrauen, als auch deren Raumergreifung bzw. Raumerfahrung. Migration bezieht sich hier sowohl auf die Wanderung dieser Frauen vom ruralen in den urbanen Raum Nigerias, als auch nach Amerika und Europa. Das Projekt soll einerseits einen Beitrag zur notwendigen, aber kaum vorhandenen, Analyse afrikanischer Frauenmigration im Kontext räumlicher Entwicklungen leisten, andererseits anhand einer spezifischen Ethnie Bedingungen, Möglichkeiten und Lösungsansätze bezüglich Stadtteilentwicklungen in Verbindung mit Migrationseinflüssen erforschen.
Anhand von qualitativen, problemzentrierten Interviews und teilnehmender Beobachtung soll eine phänomenologische Analyse durchgeführt werden, die als Ziel Problemlösungen für den architektonischen Umgang mit räumlichen Bedingungen verschiedener Ethnien bereitstellt.

Welchen Einfluss Migrantinnen auf ihr „Einwanderungsland“ haben und wie sie dieses in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht mitgestalten wird oft nur im Kontext negativer Entwicklungen reflektiert. Gleichzeitig werden Migrantinnen auf ihren Status als Einwanderinnen reduziert, und ihr kulturelles Erbe ignoriert.

Hierbei ist einerseits zu beachten, dass Migration in demographischer Hinsicht einen wichtigen und stabilisierenden Faktor darstellt, und sich andererseits in Veränderungen des öffentlichen Raumes manifestiert. Seien es Viertelbildungen – sowohl notwendige ethnische Netzwerke zur wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit der neu „Eingewanderten", die von einigen „Einheimischen“ als Raumverdrängungen interpretiert werden – als auch individuelle räumliche Prägungen. Durch das Ablesen individueller Raumprägungen werden unterschiedliche räumliche Lebenswelten besser verstanden und sie lassen adäquate architektonische Interventionen zu. Wie fremde Ethnien wahrgenommen werden, ist auch abhängig von der räumlichen Verteilung in Städten / Orten des „Einwanderungslandes“. In diesem Zusammenhang sind Wohnsitze, Arbeitsplätze, Freizeitaktivitäten und deren räumliche Verteilung und Anordnung wichtige soziokulturelle und städtebauliche Indikatoren.

Anhand der Gruppe der Igbofrauen in Österreich / Wien, die aufgrund ihres Alters – Igbofrauen circa zwischen 30 und 50 Jahren – ihre Lebens- und Raumkonstruktionen aktiv beeinflussen können, also durch die Erfahrungen der Migration, der Berufswelt, in vielen Fällen der Kindererziehung etc., über ihre Situation reflektieren können, bzw. sich schon etwas länger mit dieser Situation auseinandergesetzt haben, sollen die Raumwahrnehmungen des Wohnens, der Infrastruktur, der Arbeitswelt und diverser Netzwerke analysiert werden.

Die Möglichkeiten der sozialen Mobilität, wie viel Macht die Gruppe der Igbofrauen besitzt, welchen Einfluss sie auf ihre räumliche Umgebung haben und in wieweit diese Macht mit der sozialen, wirtschaftlichen und politischen / politisch-rechtlichen Situation – sowohl im Herkunftsland als auch im „Einwanderungsland" – zusammenhängt, sind wichtige zu beobachtende Faktoren. Es gilt also Wechselwirkungen zwischen sozialer Mobilität und räumlicher Mobilität zu analysieren, um Stadtteilplanungen bzw. Quartiersmanagement heterogener und dadurch zweckorientierter zu gestalten.

Fragen:


  • Welche spezifischen Migrations- und Integrationstheorien bezüglich schwarzer Frauen existieren? Welche Faktoren sind bei der Migrationsgeschichte, bei Migrationsgesetzen, staatlichen Migrations- und Integrationskontexten zu berücksichtigen? Wo liegen die größten Unterschiede beim Vergleich Amerikas und Europas in Bezug auf die vorher genannten Punkte?

  • Welche Raumaneignungsmöglichkeiten besitzen schwarze Frauen bzw. welche Raumaneignungsmethoden werden angewandt? Wie können diese greifbar gemacht werden? Welche sozialen und räumlichen Netzwerke existieren für schwarze Frauen? Wie entstehen diese Netzwerke, warum werden sie beansprucht. Stehen diese Netzwerke für alle schwarzen Frauen zur Verfügung, bzw. welche Frauen kommen selten mit diesen Netzwerken in Berührung, und warum?

  • Inwieweit ist die soziale Rolle und die wirtschaftliche Situation von schwarzen Frauen im öffentlichen Raum ablesbar? Aufgrund welcher Faktoren liegt räumliche Integration oder räumliche Segregation vor?

  • Worauf ist bei der Entwicklung eines problemzentrierten Interview-Leitfadens, der Aufschlüsse hinsichtlich Raumwahrnehmungen, Raumprägungen etc. liefern soll, zu achten?

  • Wichtig wäre eine fortwährende (in mehreren Etappen / Zeitabschnitten) Bearbeitung dieses Pilotprojektes, um räumliche Prägungen und Creationen über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten, zu überprüfen und zu vergleichen, und um zusätzlich Zukunftsprognosen zu relativieren bzw. zu realisieren. Wie könnte so eine Studie über einen längeren Zeitraum hinweg funktionieren?

  • Wie ist die Selbstwahrnehmung / Fremdwahrnehmung, Selbstbestimmung / Fremdbestimmung schwarzer Frauen im öffentlichen Raum bzw. migrierter schwarzer Frauen im Herkunftsland und im „Einwanderungsland“?

  • Wie kann architektonisch / räumlich auf Migrationseinflüsse schwarzer Frauen eingegangen werden?


  • Die interdisziplinäre Fachtagung erweckt einerseits mein Interesse aufgrund der erwähnten Funktionen der Arbeitstagung nämlich direkter Austausch, Vernetzung und Sichtbarmachung schwarzer Frauen und ihrer Forschungsarbeiten, andererseits würde ich mich über eine Teilnahme sehr freuen da diese Funktionen in architekturwissenschaftlicher Hinsicht noch wenig beleuchtet / behandelt wurden.



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