Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
 


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Überlegungen und Vorschläge für ein Curriculum der Schwarzen Europäischen Studien

Pierre Kodjio Nenguie





Der Beitrag versucht Black European Studies (BEST) als Forschungs- und Studienfeld zu beschreiben. Es handelt sich um ein neues Wissensfeld das sich von den traditionellen Philologien (Afrikanistik, African Studies, African american Studies, Black Studies, European Studies, Asian Studies, Romanistik, Slawistik oder Germanistik). Während die traditionellen Philologien im europäischen Kulturraum den Akzent auf die Vermittlung von Literatur, Sprache und Philosophie setzen (Germanistik, Slawistik , Romanistik und Afrikanistik) und auf dieser Grundlage Curricula entworfen haben, werden nicht mehr so sehr diese Philologien samt Curricula im Ausland betrieben.

Heutzutage sind die Fremdphilologien in gesamte kulturspezifischen Studien einbezogen. Dieser globalisierende Trend, die vor allem aus dem nordamerikanischen Universitäten ausgeht, biete eine Kombination von Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, internationalen Studien, Filmstudien und sogar Religionswissenschaft. Das Hauptziel dabei ist aus nordamerikanischer Sicht Konzepte zu entwickeln, um besser Kooperationspartner zu begreifen. Nahe Nebenziele sind die Verbreitung der jeweiligen Kulturen, die Formulierung einer pluralen Identität sowie der Mehrsprachigkeit. Ferne Nebenziele sind dabei ein fruchtbares und friedliches Neben- und Miteinander von Kulturen, die Wahrnehmung von Minoritäten, die Förderung des interkulturellen, interrassischen und interreligiösen Dialoge, der politische, ökonomische und soziale Aufstieg der marginalisierten Kulturgruppen, die Förderung von Minderheitsmitgliedern und ihren Strukturen. u.a

BEST kann nicht diese Curricula außer Acht lassen. Die Komplexität der Zielgruppe, deren Studien nun systematisiert werden sollte, ist bekannt. Die Schwarze Europäer, die als Ergebnisse der kolonialen Begegnung zum einem und zum anderen der postmodernen Migrationen konstituieren, versuchen seit Jahren im Deutschsprachigen Raum sich darzustellen und ihre Identität als Marginalisierte an die Öffentlichkeit zu bringen. Durch ganz interessante Publikationen und Aktionen sind sie heutzutage nicht mehr unbemerkt. F Für Deutschland wurde lange die Formulierung einer Identität der Schwarzen zum Teil durch die kurze Kolonialzeit und zum anderen durch den politische Ideologien gesperrt. Der Schwarze war und ist immer präsent im deutschen Alltag, als ausländischer oder deutscher Mitbürger. Die Archive, literarischen Werke, Reiseberichte, Filme, Bilder und Fotos , die von der Begegnung Deutschlands mit der schwarzen Welt zeugen, sind zum wesentlichen Teil unerforscht. Eine systematische Rezeption der Negrorenaissace, der Négritude, von Jazz, afro-afrikanischen Tanzgruppen, afro-afrikanischen Musik und der Afrikanischen Kunst und Filmen in Deutschland und Europa ist bisher nur wenig erarbeitet worden. Eine Geschichte der Schwarzen, die im Rahmen der Sklaverei und von Kolonisierungsprozessen nach Deutschland und Europa verschleppt wurden, muss noch vertieft werden.

Die Kolonialphantasien, die in Kolonialfilmen, in der Abenteuer -und Reiserliteratur, in Reiseberichten und in literarischen Werken vor dem Ersten Weltkrieg bis sogar bis zur Hitlermachtergreifung wird sicherlich noch Licht bringen in der Geschichte des Schwarzen in Deutschland und Europa. Nach wie vor ist noch nicht untersucht worden, welche Wirkungen die Ausarbeitung von Rassentheorien (Gobineau, Chamberlain, oder Hitler) auf den Umgang mit dem Schwarzen in Kolonialabenteuern hatte. Der Massenmord an Schwarzen im afrikanischen und europäischen Raum in Kolonisierungsprozessen lenkt Überhaupt nicht die Aufmerksamkeit der europäischen Intelligenz. Auch muss das Bild des Schwarzen während der Besatzung nach beiden Weltkriegen untersucht werden.

Aus aktuellen Sicht fragt es sich, wie Afro-Deutsche oder Schwarze, die als MitbürgerInnen , die im europäischen und deutschen Räumen leben, integriert werden und ob und inwiefern diese konzertierte Aktionen organisieren, nachhaltige und demokratische Strukturen aufbauen und Reflexionsgruppe deutschlandweit und europaweit miteinander vernetzen. Wie werden intellektuelle Produkte der Schwarzen in Europa rezipiert? Werden darin ihre Sorgen, Wünsche, Ängste und Probleme formuliert? Welche Erfahrungen haben Schwarze (Studenten, Stipendiaten, Asylbewerber, integrierte Schwarze und Afro-Deutsche)? Diese Fragestellungen und andere können Gegenstände einer empirischen Forschung sein.

Ein Curriculum der Schwarzen Studien in Europa soll die landesspezifischen Konfigurationen in Betracht ziehen (Geschichte und Gegenwart). Sie sollen bei der Gestaltung eines Curriculums im Kauf genommen werden. Ausführliches im Beitrag.

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